„Die IFL ist ein enormer Türöffner“

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Seit 2005 hat die Forschungsgemeinschaft Intralogistik / Fördertechnik und Logistiksysteme (IFL) e.V. schon 53 Forschungsprojekte für die Intralogistikbranche gefördert. Mehr als 35 Forschungsinstitute nutzen das Netzwerk der IFL, um Projektideen in die Umsetzung zu führen. Prof. Kai Daniel, Prodekan des Fachbereich 4 und Institutsleiter des Instituts Mess- und Sensortechnik an der Hochschule Ruhr West, gehört mit seiner Projektskizze zu den aktuell drei von der IFL positiv befürworteten Förderanträgen.

Prof. Kai Daniel, Hochschule Ruhr West

Herr Prof. Daniel, bitte stellen Sie Ihr Institut kurz vor.

Prof. Kai Daniel: Wir sind hier in der Hochschule Ruhr West im Fachbereich 4, zu dem auch das Institut für Mess- und Sensortechnik gehört. Wir vertreten im Wesentlichen Kompetenzen im Bereich der Elektro- und Informationstechnik. Schwerpunkte haben wir in der Gesundheits- und Medizintechnik, der Fahrzeugelektronik sowie Mechatronik. Weiterhin arbeiten wir am Institut aber auch im klassischen Grundlagenbereich wie etwa der der Automatisierungstechnik. Letztere vertrete ich am Institut. Aktuell arbeiten am Institut 13 Professor:innen, verteilt über alle Gebiete der Elektrotechnik hinweg, aber eben mit einem gewissen Schwerpunkt in der Mess- und Sensortechnik, was uns bundesweit als Institut einmalig macht.

Das eingereichte Forschungsprojekt hat den Schwerpunkt der Konzeption und Evaluation eines mobilen Handhabungsroboters zur ortsungebundenen Kommissionierung in der Lebensmittelwirtschaft. Was hat sie bewogen, in diesem Feld Forschung zu betreiben?

Das hängt ja immer auch ein bisschen an den handelnden Personen, die sich für Themen engagieren und bei mir hat es sicherlich mit meiner eigenen Historie zu tun. Ich habe vor meiner Tätigkeit an der Hochschule bei Carl Zeiss die konzernweite Vorentwicklung geleitet und hatte darüber bereits Anknüpfungspunkte zum Thema Lebensmittel, bspw. Precision Farming oder bildbasierte Verfahren zur Qualitätssicherung. Das Thema, das ich jetzt hier an der Hochschule vorantreibe, schließt an meine berufliche Vorgeschichte bei Swisslog an, die bekanntlich in der Intralogistik tätig sind. Darüber habe ich Christoph Henke vom Cybernetics Lab IMA & IfU der RWTH Aachen kennengelernt und es entstand eine gemeinsame Forschungsidee, die wir damals aber nicht umsetzen konnten. Als ich dann hier an die Hochschule Ruhr West kam, haben wir diese Idee weiterentwickelt und nun letztlich bei der IFL eingereicht.

Wie sind Sie auf die IFL gekommen? Was waren die Gründe, die Projektidee hier vorzustellen?

Den Kontakt hat Christoph Henke hergestellt. Mir war die IFL vorher nicht bekannt. Inhaltlich passt das natürlich sehr gut. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Containerwirtschaft und der Kommissionierung von Containern. Insofern ist das bei der IFL super aufgehoben.

Wie bewerten Sie das Konzept der IFL als Institution für vorwettbewerbliche Gemeinschaftsforschung?

Aus subjektiver Forschungssicht ist es generell natürlich erfreulich, wenn die Hochschulen für die Forschung Unterstützung erhalten, um Wissenschaft betreiben zu können. Insofern ist das Gesamtgerüst der IFL und auch die Ziele, die im Verein verfolgt werden, sehr positiv zu bewerten. Die IFL ist eine Plattform, wo Industrievertreter zusammenkommen. Es ist ein Netzwerk vorhanden, welches wir uns im wissenschaftlichen Bereich ansonsten erst aufbauen müssten. Allein dass dieses Netzwerk verfügbar ist und dort Prozesse vorhanden sind, um Themen der Intralogistik zu bearbeiten, ist für uns schon ein enormer Vorteil. Ohne die IFL müssten wir Förderanträge, zum Beispiel bei den Bundesministerien, stellen und einzeln auf die Unternehmen zugehen. Die IFL ist da ein enormer Türöffner in Richtung der Unternehmen – unabhängig davon, ob ein Antrag zum Tragen kommt oder nicht. Man trifft Gleichgesinnte, die mit uns gemeinsam um Themen wetteifern. Natürlich werden die Projektideen kritisch beurteilt und vielleicht auch mal nicht befürwortet. Der fachliche Austausch mit erfahrenen Industrievertretern beflügelt die notwendige wissenschaftliche Diskussion an der Schnittstelle zwischen Hochschulen und Industrie.

Darüber hinaus ist dieser fachliche Diskurs für uns auch deshalb wichtig, weil wir mit unserer „theoretischen“ Heimat Hochschule den anwendungsbezogenen bzw. industriellen Teil gar nicht im notwendigen Umfang vertreten können. Die Problemstellungen und die Anwendungen müssen aus der Industrie kommen.

Wir verstehen uns als diejenigen, die für diese ungelösten Fragestellungen im vorwettbewerblichen Bereich dann neuartige Konzepte und Methoden erarbeiten, um dann auf der Basis von Demonstratoren, Simulatoren und analytischen Modellen Leistungsbewertungen sinnvolle Empfehlungen für die Industrie aussprechen zu können.

Das ist der Schnittmengenbereich, in dem die Industrie und Hochschulen dann konstruktiv zusammenarbeiten können

Ein weiterer positiver Aspekt des IFL-Konzeptes ist ebenfalls sehr naheliegend, nämlich dass die industrielle Gemeinschaftsforschung wie die IFL sie anbietet, eine weitere Plattform für die Hochschulen ist, um Drittmittel einwerben zu können. Mit hat sehr gut gefallen, dass in der IFL die Projektideen vorab schon intensiv diskutiert werden. Bei der späteren Antragstellung wurden wir von der IFL sehr aktiv unterstützt. Hier habe ich die Betreuung viel persönlicher und darum auch positiv wahrgenommen.

Abschließend noch eine Frage zu Corona: wie hat die Pandemie die Forschung im Umfeld der Intralogistik verändert und wie wirkt sie sich auf die laufenden Projekte aus?

Die Arbeiten im Labor sind nicht mehr so leicht möglich. Auch unsere wissenschaftlichen Mitarbeiter sind überwiegend im Homeoffice. Gerade im Bereich der Elektrotechnik oder in der Intralogistik geben die Themen natürlich einen gewissen Hardwareeinsatz vor, den wir nicht digitalisieren und im Homeoffice bearbeiten können. Das ist aktuell von Nachteil für alle Beteiligten – für die Studierenden wie für die Wissenschaftler. Für Programmiertätigen, also die Softwareentwicklung, und auch im Bereich der methodischen Arbeiten spürt man die Auswirkungen von Corona eher nicht.

Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Verlagerung der Arbeiten aktuell zu mehr Anträgen für Ausschreibungen führen. Wo die praktische Arbeit in den Laboren teilweise ruhen muss, konzentriert man sich auf die Zukunft, arbeitet konzeptuell und beschäftigt sich mit künftigen Fördervorhaben. Wir richten den Blick nach vorne und überlegen, was können wir nach Corona machen.

Vielen Dank für das Gespräch.